Goethebunker Interview #08 – Roger23

Du lebst in Saarbrücken, als DJ bist Du viel unterwegs, hast nie darüber nachgedacht dort wegzuziehen, was hält dich dort?

Hallo erstmal, spontan und direkt gesagt, hatte ich schon mal vor ein paar Jahren den Gedanken hier weg zu ziehen, aber das hat sich alles ganz schnell auch wieder zerschlagen und letztendlich gibt es keinen wesentlichen Grund das Saarland zu verlassen. Es ist schön hier und ich es ist alles vorhanden was ich brauche: Im Umkreis von 100 km liegen 6 Flughäfen, innerhalb von max. 3,5 Stunden mit dem Auto oder der Bahn liegen viele größere Städte wie Frankfurt, Mannheim, Köln, Brüssel und Paris. Vor allem habe ich Natur direkt vor der Haustüre… Mindestens 3 Länder und diverse Regionen die einem das Leben echt versüßen können. Kannst Du vom Balkon aus Frankreich sehen und je nach Lust und Laune dort ein Marzipancroissant essen gehen? 😀

Dafür sind Reisen notwendig, aber das gehört nun mal dazu. Es ist egal ob ich 1,5 Stunden in den Öffentlichen sitze oder im Auto, um an mein Ziel zu gelangen. Somit habe ich Zeit über die Dinge auch mal nach zu denken und ich lasse mich von der vorbeiziehenden Landschaft inspirieren. Der Umgang mit der Sache mag da anders sein. Wer sagt, dass man auf dem „Land“ nicht etwas besonderes leisten und erleben kann? Inspiration und Kreativität finden hier auch statt. Das haben schon ganz andere Leute bewiesen. Die Mittel sind vielleicht etwas anders, als im Vergleich zu einer Metropole und man muss es wollen, sonst passiert in der Regel nichts. Hier muss man letztendlich viel mehr strampeln, wenn man etwas erreichen möchte. Die Sache an sich hat aber genau dadurch mehr Wertigkeit, weil man dann auch genau weiß warum man eigentlich kämpft.

Cosuming ist in einer Großstadt schon viel eher verbreitet. Klaro, Großstädte sind sehr inspirierend, aber in dem ganzen „Alltagswahn“ kann ich oft beobachten, dass oft die Verarbeitung von Erlebnissen fehlt. Es hat oft etwas von einem großen Rauschen. Für mich sind Erlebnisse und Reisen ein sehr guter Motor Dinge schöpfen zu können. Ich gebe zu ab und an etwas wehleidig zu sein, weil es dann auch ein paar Umstände nicht hat oder nicht als selbstverständlich gelten, die wiederum in einer Großstadt selbstverständlich erscheinen. Dennoch wird selbst hierbei ein kreativer Prozess ausgelöst wenn einem das Verlangen packt seine „Packung“ zu bekommen. Persönlich kann ich einfach nicht klagen und im Vergleich zu vielen meiner Kollegen musste ich nicht hier weg um meinen Traum verwirklichen zu können. Es war und ist oft sehr stolprig. Letztendlich zählt doch das Endergebnis zählt und nicht wie und wo es entstanden ist.

 

Hast Du einen bestimmten Club, in dem Du am liebsten auflegst?

Ob ich einen Club habe wo das auflegen besonders Spaß macht? Da muss ich echt überlegen – im Prinzip Jaein. Von der einen Seite her betrachtet gibt es schon Plätze die besonders sind. Einfach weil dort alles stimmt. Die Crowd, der Sound, das drum herum und wenn die Menge tobt oder man nach Platten gefragt wird, dann macht man wohl einen guten Job. Auf der anderen Seite können kleine Bugs aber auch etwas herausfordernd sein und auch anspornen die Missstände zu korrigieren. Wenn man es dann schafft, trotz aller widrigen Umstände abzuliefern und zu begeistern, dann ist das am Schluss ein gutes Gefühl.

 

Du hast schon mal in Essen gespielt? Wo war das und wie gefällt dir das Ruhrgebiet?

Ach ja, ich hab sogar schon zwei Mal in Essen gespielt. Einmal auf einer Party an der Uni und dann ein paar Jahr später in einer kleinen feinen Bar. Das Ruhrgebiet kenne ich eigentlich nur aus meiner Zivi-Zeit. Mein Zivi-Lehrgang dirigierte mich nach Herdecke. Gute Erinnerungen hab ich da schon dran, aber mir fehlt der Vergleich zu heute, um etwas aussagekräftiges darüber sagen zu können. Ich denke nach guten 20 Jahren hat sich selbst im Ruhrgebiet viel verändert. Meine Besuche dort waren immer zu kurz aber ich bin gespannt was kommt. Es gibt doch überall schöne Ecken und wenn man vor Ort in ein gutes soziales Umfeld hat, dann fühlt man sich auch automatisch wohl und stellt automatisch eine Verbindung zu der Region her.

 

Hast Du eine Platte, die nie aus Deinem Plattenkoffer gepackt wird?

Was für ne Frage! Nun, wer mich kennt weiß, dass ich meine Plattentasche für jeden Gig neu packe und es mir selbst auch nie einfach mache. Klar sind dann immer die ein, zwei, drei Wochenhighlights mit dabei, dennoch vermeide ich die Wiederholung an sich. Die Abende sind oft so unterschiedlich von der Struktur her, dass die Reaktionen auf die gespielten Stücke extrem auseinander gehen können. Was in A super funktionieren kann, wird in B gemieden. Das kann schon sehr interessant sein, aber wenn man eine Analyse dessen versucht, wird doch recht schnell klar warum das so ist.

Aus meiner Schallplattensammlung ksann ich auch recht gut schöpfen und versuche meine Musikauswahl eher einer Thematik nach raus zu suchen. Wichtig finde ich es einen Raum mit Musik füllen zu können um somit einen Atmosphäre zu schaffen. Von daher mag es auch mal Überschneidungen geben, aber letztendlich ist keine Platte dabei, die immer gespielt wird. Dafür gibt es einfach zuviel gute Musik auf dieser Welt, die es verdient hat gespielt zu werden!

 

Wenn ja, was macht diese Platte genau aus?

Ja, es gibt wohl einen gewissen Sound den man mir zuordnen kann. Die Stimmen aus dem OFF sagen dann, „Das ist ne typische Roger-Platte!“ Also findet eine Sound-/Personenzuordnung statt. Das ist mir in der Regel auch lieber, als nur mit einer Sache in Verbindung gebracht zu werden.

 

Verrate uns was für dich momentan der ganz heiße Scheiß ist?

Diese Frage zu beantworten wird recht schwierig werden, da es mir persönlich – und oft – an Grip bei neuen Sachen auf dem Techno- und House-Sektor fehlt. Ich tauche gerade sehr tief in die späten 80iger und frühern 90iger Jahre ein, sprich versuche die Dinge an der Wurzel zu packen und wieder neu auf zu arbeiten und vor allem Versäumtes nach zu holen. Vieles hatte damals für die Ohren einfachen keinen Platz und der Zugang fehlte. Aber nach Jahren der „Musik-Schule“ lernt man immer mehr dazu und hat die Möglichkeit die nicht verstandene Musik auf einmal verstehen zu können und tiefer in die Materie einsteigen zu können. Ein paar „Kidz“ aus UK sind mir aktuell sehr symphatisch. Die machen gerade etwas, was im Vergleich zu vielen Produzenten anders ist. Auf mich wirkt das recht frisch zu dem ganzen Retro-Zug. Für meine Ohren hat es oft wenig Ausarbeitung bzw. wird nur kopiert, aber ohne seinen eigenen Ideen und Vorstellungen umzusetzen. Ich habe nun mal schon viel Musik in meinem Leben gehört und das hat auf mein Urteil auch einen direkten Einfluss. Die Originalvorlage ist oft heraus zu hören und der Vergleich liegt auf dem Tisch. Da weiß man dann genau wo es am Ende fehlt. Oft wirken die neuen Sachen uninspiriert und man hört auch wohin die VÖ will. Eigentlich finde ich es schade und bedauerlich mich für gewisse Dinger nicht mehr so begeistern zu können, wie das mal zumindest gefühlt in der Vergangenheit der Fall war. In heavy Rotation sind gerade:

 

HALL & OATS – I Can’t Go For That

KC FLIGHTT – Africa

STINGRAY313 – NKK4_2

FOUR TET – Kool FM

 

Vor kurzem erschien die Biorhythm, was wird von dir als nächstes kommen und worauf freust du dich am meisten in diesem Herbst?

Erstmal muss ich mich bei Klen (Frustrated Funk) und Paul (Du Lac) recht herzlich bedanken. Ohne Klen wäre der Deal nicht zustande gekommen. Er hat letztendlich dafür gesorgt, dass der Track bei Paul auf dem Label rauskommt. Nun ich rede ungern über halbgare Sachen und hülle mich da lieber mal in Schweigen, wie unnötig für Wirbel zu sorgen. Und sonst freu ich mich auf das was kommt oder nicht kommt… ;-D … und auf die Party in Essen mit Euch!!

 

Event: 11.10.13 Bipolar Season Opening w/ Roger23 | https://www.facebook.com/events/418930931557110

Interview Torsten Dirk