Goethebunker Interview #17 – Marcel Vogel

Die Liebe zur Musik entdeckt Marcel Vogt schon in Kindertagen. Er hört sich durch die Plattensammlung seiner Mutter und macht daraus seine ersten Tapes. Er steht auf MTV, er steht auf Hip Hop, Funk und Afro, versucht sich als Rapper und DJ. Das weiß nicht nur seine Mom, sondern auch seine gesamte Nachbarschaft, die die lautstarken Frühversuche des heutigen In-DJs live miterlebt.

Später lernt er andere freie Musiker und Kreative kennen. Sie legen zusammen auf, veranstalten Parties und gründen die ersten Labels. Sie wollen mehr als das, was man in den Plattenläden findet. Inspiriert wird Vogel von Größen wie Theo Parrish und Alex Barck & Madvilliany von Jazzanova. Mit seinem Hang zu Soul, Groove und House wird er schnell zum Sinnbild für Disco-Sounds. Von 2003 bis 2007 ist er als Resident in Berlin, geht dann in die Schweiz und zieht später nach Amsterdam. Hier gründet er „Lumberjacks in Hell“, ein Chicago-House, Disco- und vor allem Vinyl-Label. Nach ein paar Jahren Alleingang, produzieren hier internationale DJs wie Traxx, Jamie 326, Rahaan und Rayko. Damit nicht genug, gründet er 2013 sein neues Label „Intimate Friends“. Sein künstlerisches Ziel ist es, Musik zu produzieren, die er auch selbst kaufen wollen würde. Wir wollen auf jeden Fall.

 

Hallo Marcel, du bist zur Zeit ja sehr viel unterwegs als DJ, daher meine erste Frage an dich: Was war bis jetzt das interessanteste, was du dieses Jahr auf deinen Reisen erlebt hast bzw. als Gast auf Partys?

Gerade die letzten drei Wochen waren total krass. Ich habe sechs Parties in den USA gespielt, dann war ich vier Stunden in Amsterdam und bin gleich weiter nach Paris und am naechsten Tag nach Hamburg. Heut bin ich aus Hamburg wieder gekommen und morgen geht’s weiter nach Tel Aviv. Ganz schön krass, wenn man es nicht gewohnt ist. Witzig war in Paris aufzuwachen und mich darüber zu wundern, dass die mich in Euro bezahlt haben. Hatte einen Moment gedauert bis ich gerafft hatte, dass ich gar nicht mehr in den Staaten war.

 

Gab es einen Künstler, auf den du dich dieses Jahr sehr gefreut hast und dieser dich auch beeindrucken konnte?

Ich war dieses Jahr auf einer super Party mit Theo Parrish. Lefto ist immer toll. Ich habe sehr viel von Rahaan und Mr Mendel gelernt, die ich oft gehört  und mit ihnen gespielt habe. Ausserdem hab ich eine sehr intime Show von Jamie Lidell gesehen vor ca. 100 Leuten. Die beeindruckendste Show, die ich gesehen habe, war wahrscheinlich der Nigerianer Ebo Taylor auf dem North Sea Jazz Festival.

 

Was hat dich bewegt in deine Wahlheimatstadt Amsterdam zu ziehen und was sind 2-3 Dinge die du besonders an Amsterdam schätzt?

Amsterdam ist ein wahnsinniger Hub für soulful Musik. Ganz egal ob Konzerte, Parties, DJ’s, Labels. Alles was ich liebe hat irgendwie einen Fuss in der Stadt. Ich kann gar nicht glauben, dass ich ständig unterwegs bin und andere Städte sehe, aber keine einzige Stadt kann mir geben, was Amsterdam hat. Sie ist mega klein und es passiert unheimlich viel. Und am besten ist, dass sich hier niemand vor mir verstecken kann und ich alles mit meinem Fahrrad erreichen kann. Ich liebe an Amsterdam, dass die Stadt unheimlich pittoresk ist. Für mich ist es die Weihnachststadt, wenn es dunkel wird sind die Grachten immer beleuchtet.  Du hast sehr viel Wasser und sehr schöne Gebäude. Und sie platzt vor Musik und Kreativität. Es gibt sehr viele richtig gute Plattenlaeden. Falls Ihr Stichworte zum googlen braucht, versucht mal: Rush Hour, Red Light Radio, Red Light Records, Trouw, Waxwell, Doka …

 

Falls ich nicht falsch informiert bin, betreibst du zur Zeit zwei Labels, „Lumberjacks in Hell“  und „Intimate Friends“. Kannst du uns versuchen kurz zu sagen, wie du die musikalische Ausrichtung beider Labels selbst siehst/ beschreiben würdest?

Lumberjacks ist eigentlich ein Disco-Editlabel, dass sich gerade in eine housigere Richtung entwickelt. Der Schwerpunkt liegt ganz klar auf einem Chicagolastigen Sound. Intimate Friends widmet sich ausschliesslich original Veroeffentlichungen, die eventuell ein bischen geschmeidiger daher kommen. Wobei das noch nicht ganz klar ist. So ein Labelsound entwickelt sich natürlich auch erst einmal und mit der Nummer zwei sind wir noch ganz am Anfang.

 

Was werden wir von dir in Zukunft als Produzent hören?

Ich arbeite gerade an meiner Version von Gwen Mccraes „Doin It“. Es ist ein bisschen verworren, weil ich schon zwei Remixe dafür habe, aber es gibt eigentlich keine Originalversion, weil ich bisher alle Entwürfe wieder verworfen habe. Die Spuren die ich dazu aufgenommen habe, sind eigentlich half time Reggae, jetzt sieht es aber gerade danach aus, als würde es eine schnellere Housenummer. Musik machen ist für mich so ein bisschen Hit & Miss im Moment, Body to Body hätte eigentlich auch eine Reggae Nummer werden sollen und jetzt sag mir mal bitte jemand, wie sich der Stil nennt.

 

Was sind deine „All time favs“ in deiner Plattentasche?

 

Peven Everett – Put Your back Into It

Womack & Womack – Life is a ballgame

Steve Spacek – Days of my life

Beckie Bell – Music Madness

Boogie Nite – Do Your Thang

 

Was sind deine zuletzt gekauften Platten?

Hahaha. In Hamburg habe ich gerade bei Smallville 5 Omar S Platten gekauft. Irgendwie scheinen die bei Rush Hour immer schon ausverkauft zu sein, wenn ich mich dann in dazu aufgelegt fühle, so etwas zu kaufen.

 

Was macht deiner Meinung nach einen guten Dj/ Liveact aus?

Musikauswahl, Passion, Ausstrahlung. Die Fähigkeit einen Raum voller Menschen im Gleichklang schwingen zu lassen. Technische Fähigkeiten sind hilfreich dabei, aber Können kann durch Charisma ausgeglichen werden.

 

Was ist dir bei den Veröffentlichungen auf deine beiden Labels wichtig, bzw. wo liegt der Unterschied in den Veröffentlichungen?

Es muss mich berühren. Ich versuche mit jeder Veröffentlichung etwas in den Plattenladen zu bringen, dass mich selbst begeistert. Ehrlich gesagt, mache ich die Labels für mich, um mich glücklich zu machen und ich finde es Spitze, wenn Leute das gleiche empfinden.

 

Vielen Dank für das Interview und wir freuen uns sehr, dich nach unserem ersten Gast „Daniel Wang“ am 20.12.2013 begrüßen zu dürfen.

 

Event: 20.12.13 Horse Needs Disco w/ Marcel Vogel (Lumberjacks in Hell, Intimate Friends) @ Goethebunker | https://www.facebook.com/events/522913507804980

Interview Bastian Zimmermann

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