Goethebunker Interview #27 – David August

Ein gewisser Herr David August beeindruckt uns schon seit geraumer Zeit, denn der gebürtige Hamburger und Wahlberliner geht die Sachen ein wenig anders an. Ob es an seiner klassischen Musikausbildung liegt oder seiner unberührten naiven Art, die elektronische Musik vielseitig zu interpretieren, eines ist gewiss, er ist ein außergewöhnlicher Produzent. David hat eine sehr überschaubare Discographie, aber jedes Stück ist wahrhaftig ein Meisterwerk.

Das ist nicht irgendeine Farce, wir meinen und fühlen es wirklich so. Deshalb wird er auch unser Gast zu der zwei jährigen Bunkernacht Jubiläumsparty sein und Ahmet Sisman hat mit ihm ein kurzes Interview geführt.

 

Hallo David, du wirst ja zum ersten Mal hier im Goethebunker live auftreten, hast schon mal was von dem Club gehört?

Ehrlich gesagt nur vom Namen her. Aber richtige Assoziationen habe ich bisher noch nicht. Aber das wird sich ja bald ändern!

 

Wenn ich mir seit 2009 deine musikalische Entwicklung anschaue bzw. anhöre, tendierst du immer mehr in die Richtung, komplexere Rhythmen und Melodien zu schreiben, anstatt auf geradlinige Songstrukturen zurückzugreifen. Ist dies ein bewusster Reifeprozess über die Jahre hinweg?

Nun, ob dies ein bewusster Prozess war/ist, kann ich nicht genau sagen. Aber ich merke wie mein eigener Anspruch in der letzten Zeit gestiegen ist und wie ich immer mehr das Bedürfnis habe, mich von gewissen Konventionen wegzubewegen und nicht in Schubladen zu denken. Ganz einfach aus dem Grund, weil mich Repetition sowohl innerhalb von Musik, als auch innerhalb eines Prozesses, nicht mehr so sehr begeistert. Was nicht heißt, dass Einfachheit ausgeschlossen ist, ganz im Gegenteil. Mir geht es darum, wenn man sich schon im Clubkontext bewegt, zu versuchen, Horizonte zu erweitern und nicht so engstirnig zu denken, weil keiner irgendjemand was beim Musikmachen vorschreibt. Das ist doch das Schöne. Alles ist erlaubt!

 

Inwiefern spielt deine klassische Musikausbildung bei der Auffassung von elektronischer Tanzmusik eine Rolle? Um es mal anders zu formulieren: Gab es Momente, wo dich die konventionelle Herangehensweise an House und Techno einfach gelangweilt hat?

Konventionen sind ja erstmal nichts schlechtes. Die gab es schon immer, vor allem in der Klassik. Es gab damals zum Beispiel eine sogenannte „Sonatenhauptsatzform“, die ein bestimmtes Schema F für die damalige Zeit war. Sowohl fürs Komponieren von Sonaten, als auch für Sinfonien zum Bespiel. Was jedoch derjenige Komponist innerhalb dieses Schemas gemacht hat oder ob er den Mut hatte aus gewissen Barrikaden auszubrechen, war das was ihn einzigartig hat machen können. So haben wir heute zum Bespiel die gewisse Konvention der 4/4 Bassdrum, die jedoch jedem Produzenten auf dieser Welt frei überlässt, was er innerhalb davon machen kann.

 

Gib uns doch mal bitte einen kurzen Einblick in dein Studio. Welche Geräte (Hardware/Software) z.B. sind deine Favoriten? Und wenn du mal eine Schaffenskrise hast, was ist die beste Methode, um sie wieder schnell loszuwerden?

Also wenn ich eine Schaffenskrise habe, kann ich zumindest kein wirkliches Patentrezept abgeben. Ich lass es dann normalerweise einfach für ein paar Tage sein, da es erst recht nicht funktioniert, wenn du etwas forcierst. Ich bin gerade in ein neues großes Studio gezogen. Habe aber nach wie vor aus Zeitgründen nicht viel dazugekauft. Mein Favorit ist immer noch der Prophet 5, den ich wirklich viel benutze.

 

Was macht nach deiner Meinung einen guten Liveact aus?

Wenn er nach Live und nicht nach einem DJ klingt. Und damit mein ich gar nicht virtuos irgendwelche Instrumente zu spielen. Sondern wenn da einfach etwas anders ist, als bei einem der Platten auflegt. Ich versuche zum Beispiel immer Momente der Ruhe, fast Stille mit einzubringen, die mir und hoffentlich auch den Leuten da draußen, das Gefühl von Aufatmen, Spannung und Entspannung zu gleich geben. Ich denke ich finde es einfach interessant, Kontraste jeglicher Art bei einem Live Act zu spüren und zu hören.

 

Erzähl uns doch mal einen skurrilen Moment im Club, wenn es den natürlich überhaupt gibt?

Ich fasse diese eigentlich wirklich lange Story mal etwas kurz. Ist auch länger her. Ich habe in Italien gespielt, wurde Last Minute von der Outdoor Location in eine andere Indoor Location versetzt auf Grund von schlechten Wettervorhersagen. Der Club war der absolute Kokser, Champagner, Barbie und Ken Club. Das Schlimme: Er war voll und ich wusste, dass da keiner meinetwegen da war. Das war ein Touristen/Ferien Club. Habe mich, glaube ich, noch nie so Fehl am Platz gefühlt wie dort. Als dann die Tänzerinnen um mich herum plötzlich angefangen haben auf meine Musik ins Mikrofon zu singen, war alles aus. Ich dachte ich bin im falschen Film. Ich habe meine Sachen gepackt und bin gegangen. Habe das Geld übrigens auch bis heute noch nicht gesehen, da der Club wohl pleite ist und die Bookerin sich aus dem Staub gemacht hat. So ein Horror-Gig, wo wirklich nichts gepasst hat, war auch Gott sei dank einmalig.

 

Was hört Herr August so zu Hause für Musik?

Wirklich alles. Jazz, Ambient, Electronica, Klassik, Hip hop, Rock und und und… 🙂

 

Danke für das Interview David und wir sehen uns am 02.10!

 

Interview Ahmet Sisman

Event: 02.10.14 – 2 Jahre Bunkernacht w/ David August live | www.facebook.com/events/673542106073492

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